Conny ist eine junge Führungskraft. Sie ist nicht nur disziplinarisch Verantwortliche, sondern leitet auch eine Projektgruppe. Und gerade in der Projektgruppe entstehen die Probleme. Im Training erzählt sie, dass sie immer das Gefühl hat, „nur hinter den Leuten her sein zu müssen“ und „sie um alles bitten und betteln muss“. Im Training reden wir auch von Antreibern. Conny’s innerer Antreiber lautet „mache es anderen recht und sei gut!“. Ein Antreiber, der es es im Führungsalltag schwer macht, klar zu fordern und andere Menschen trotz fehlender disziplinarischer Gewalt anzutreiben. Ich schlage Conny vor, ihr persönliches Coaching in den Reitstall zu verlegen.

Die Situation:
In der Reithalle haben wir einen runden, eingezäunten Platz aufgebaut. Ein sogenannter Roundpen. Im Roundpen wartet das Pferd Nando für eine Praxisübung neugierig auf seinen Besuch. Nando ist ein Pferd, das deutliche Signale braucht. Sein vom Ursprung her „eher gemütlicher Charakter“ führt dazu, dass er eine fehlende innere Überzeugungskraft als „Nicht-Signal“ interpretiert. Außerdem ist Nando Chef seiner Herde und akzeptiert auch nur Signale von Menschen, die mit ihrer inneren und äußeren Haltung klar die Führung übernehmen. Als Coachee soll Conny von Nando – ausschließlich mit Körpersprache – sein Tempo und seine Richtung bestimmen. Als einziges Hilfsmittel hat sie bei diesem Einzelcoaching ein Wurflasso in der Hand. Ich positioniere mich außerhalb des Roundpens und „übersetze“ die Signale von Nando in Menschensprache.

Nando soll um Conny herum traben. Das Antraben gelingt gut. Doch immer wieder wechselt Nando unaufgefordert in den Schritt. Conny hebt die Arme und fragt: „Was soll ich bloß tun?“ und lacht dabei.

Ich frage sie, ob sie diese Situation auch aus der Projektleitung kennt. Sie lacht und sagt: „Aber genau das! Anfangs bekomme ich die Leute noch motiviert, aber dann flacht das Interesse ab und ich laufe hinter ihnen her und bitte und bettele.“ „So wie jetzt?“, frage ich. Sie nickt: „So wie jetzt!“.

Ich erzähle ihr, was ich beobachtet habe. Bei ihrer Forderung an Nando, vom Schritt in Trab zu wechseln, war sie noch klar und überzeugend. Unmittelbar danach gab sie ihre Körperspannung auf, was Nando als Erlaubnis interpretierte, in den Schritt zu verfallen. Als er dann letztendlich Schritt ging, blieb sie freundlich (sie lachte) und machte gleichzeitig einen verzweifelten Eindruck. Hierdurch entstand die Situation, Nando immer wieder von Neuem antreiben zu müssen. Die Folge von Conny’s innerer Antreiber im Führungsverhalten „mache es anderen recht und sei gut!“.

Conny erkennt für sich, dass sie innerlich wie äußerlich in der Erwartungshaltung bleiben muss und viel früher eingreifen muss, wenn Nando sich nicht an das hält, was sie „vereinbart“ haben. In der zweiten Runde kämpft Conny mit ihrem alten Muster, was Nando ihr sofort zurückmeldet. Zum Ende der Roundpen-Arbeit hat Conny es geschafft. Durch konsequentes Auftreten bleibt Nando im Trab, so lange wie Conny das will. Nando belohnt ihre Arbeit, indem er sich zum Schluss hinter sie stellt und ihr mit Körpersprache signalisiert, dass er ihr jetzt als Führungskraft vertraut.

Die Lösung auf dem Weg zu Führungsklaar

Wer als Projektleiter zwar die Arbeitspakete verteilt, aber das Einhalten von Vereinbarungen ungenügend einfordert, signalisiert, dass es auch anders geht. Conny neigte in Mitarbeitergesprächen dazu, ihre Forderung zu wiederholen und ausführlich zu begründen. Damit machte sie immer wieder einen Schritt zurück in die Phase von vor der Vereinbarung. In Kombination mit ihrer sehr freundlichen Art machte sie es den Projektmitarbeitern einfach, sich nicht an die Forderung zu halten. Schließlich war die einzige Konsequenz, dass Conny ihre Forderung nochmals freundlich wiederholte. Gerade in der Projektarbeit spielt die innere Haltung eine wesentliche Rolle. Zu viele Begründungen sind in der Regel kontraproduktiv.

Institut Synergie GmbH

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