Thema: Allmähliches Verletzen von Grenzen durch Mitarbeiter.
Ziel: In diesem Blogbeitrag erfahren Sie, wodurch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich in der Personalführung unerwünscht immer mehr Freiheiten erlauben. Sie erfahren, was eine übliche aber wenig erfolgreiche Reaktion hierauf ist und wo die Lösung liegt.

Situation:
Nathalie ist Anwältin und arbeitet in der Kanzlei ihres Vaters. Dort arbeiten 8 weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, mit denen Nathalie sich gut versteht und auch „per Du“ ist. Im Laufe der vergangenen Jahre ist die Kanzlei dank des Unternehmenserfolg gewachsen und es wurden immer mehr Mitarbeiter eingestellt. Mit ihrer freundlichen und kommunikativen Art hat Nathalie die neuen Mitarbeiter immer schnell das Gefühl gegeben, willkommen im Team zu sein. Nathalie hat nie „die Tochter vom Chef“ herausgekehrt. Unerwartet und sehr viel früher hat Nathalies Vater entschieden, dass er Nathalie schon innerhalb des nächsten Halbjahres die Kanzlei übergibt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind informiert über die Veränderung.
Als Nathalies Vater einige Wochen im Urlaub war, hatte Nathalie das Gefühl, dass ihr die Mitarbeiter auf der Nase herumtanzten.

Traurig und enttäuscht – vielleicht auch ein wenig hilflos – erzählt sie mir im Workshop, was sich die Mitarbeiter während des Urlaubs ihres Vaters so erlaubt haben. Sie erzählt ausführlich und anschaulich über zahlreiche Situationen, die sie im Mitarbeitergespräch persönlich verletzt haben. Auf meine Frage hin, ob sie dies bei den Mitarbeitern angesprochen habe antwortet sie, dass sie doch noch gar nicht die Chefin ist und befürchtet, dass ihre Mitarbeiter sie wohl auch nie ganz als solche anerkennen werden. Sie möchte wissen, was sie falsch macht und was sie ändern soll.

Der Eindruck entsteht, dass Nathalie keine Grenzen zieht und ihren Ärger nicht klar genug benennt.

Das Bild dazu:
Wer die Deiche einreißt, darf dem Meer nicht vorwerfen, dass es das Land überflutet!

Das Meer hat das Land überflutet, weil Nathalie die Deiche (Grenzen) eingerissen hat. Sie hat es versäumt, Grenzen zu ziehen. Und hat es erlaubt, dass das Wasser immer weiter in das Land drang. Nathalie blickt verzweifelt auf das überflutete Land und sieht immer mehr, was alles zerstört wurde. Im Angelanzug watet sie durch das Wasser und hebt gelegentlich Gegenstände auf, die vom Wasser zerstört wurden und sie ist sehr traurig.

Die Lösung auf dem Weg zu Führungsklaar
Die Fokussierung auf das, was alles geschehen ist, ist menschlich.
Aber durch diese Fokussierung auf die Folgen (die allmähliche Grenzverletzung) erkennt sie nicht mehr, wodurch die Überflutung überhaupt möglich war.

Nathalie muss wieder an den Deichen arbeiten. Und an ihrer eigenen Kraft, (teilweise gewaltigen) Druck auszuhalten. Denn: Je mehr Freiheit das Wasser (die Mitarbeiter) erfahren hat, umso mehr Druck wird es ausüben, wenn sie es wieder zügeln will. Denn abhängig von der Menge geflossenen Wassers wird es Druck ausüben.

Ich empfehle Nathalie im Coaching zunächst:
– ein Grundsatzgespräch mit den Mitarbeitern zu führen. Dieses sollte klärend sein, insbesondere in Bezug auf ihre neue Rolle und ihre Erwartungen.
– Unerwünschtes Verhalten in Konflikten sofort anzusprechen (mittels 4-Phasen-Feedbackmodell)
– Mit einem Seminarschauspieler an ihrer kritischen Kompetenz und einem professionellen Auftreten zu arbeiten

Ich werde sie in den nächsten 9 Monaten persönlich begleiten und bin mir sicher, dass sie es schaffen wird!

Frage an Sie: Haben auch Sie erfahren, wie Ihre Mitarbeiter Ihre Grenzen verletzten? Wie haben Sie das gelöst? Schicken Sie uns Ihre Tipps und diskutieren Sie mit uns.

Institut Synergie GmbH

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