Coaching funktioniert am besten mit praktischen Beispielen. Seminarschauspieler helfen dabei und brauchen viel Improvisationstalent, zeigt unser Beruf der Woche.

Wie verhalte ich mich im Bewerbungsgespräch, wie löse ich Teamkonflikte, wie motiviere ich meine Mitarbeiter? Es gibt unzählige Kommunikationsseminare. Der Coach erklärt, die Teilnehmer hören zu, dann gibt es ein paar praktische Übungen mit Aha-Effekt. So manches Seminar bleibt dennoch eher eine Erzählstunde denn ein Mitmach-Seminar.

Darum arbeiten einige Trainer mit Seminarschauspielern zusammen. Die Aufgaben sind zwischen Trainer und Schauspieler klar verteilt: Der Coach vermittelt die Inhalte und leitet die Übungen an, die Schauspieler interagieren mit den Teilnehmern. Sie sind Übungspartner und zeigen in gespielten Szenen ganz konkret, wie bestimmte Kommunikationsmuster und Verhaltensweisen ablaufen können. Auch spielen sie realistische Konfliktsituationen nach, in denen die Teilnehmer das erlernte Wissen anwenden können. Der Trainer kann sich so auf das Beobachten und Feedback geben konzentrieren.

“Der Lerneffekt ist größer”, sagt Norman Hellwig vom Institut Synergie . Das Unternehmen bildet Seminarschauspieler aus und vermittelt diese auch.

Je nach Workshop-Konzept übernehmen Schauspieler entweder eine feste Rolle – etwa die eines Personalchefs, eines Kollegen oder eines schwierigen Kunden – oder reagieren spontan auf das, was ihr Gegenüber sagt oder tut. In vielen Konfliktmanagementseminaren vermittelt der Trainer zunächst die Theorie und skizziert Lösungsvorschläge, die dann auf die individuellen Fragen der Teilnehmer übertragen werden. Sie schildern ihre Konflikte und die daran beteiligten Personen, die Schauspieler, spielen die Situationen mit den Teilnehmern nach.

Reale Personen anhand von Stichworten nachspielen

Um die Szene so realistisch wie möglich zu machen, müssen sich die Schauspieler in die fremden Personen einfühlen. Welche Körperhaltung hat die Person, mit der das Kommunikationsproblem besteht? Spricht sie laut oder leise? Und wie sieht sie aus? Diese Fragen an den Seminarteilnehmer helfen dabei. Wer es einmal selbst ausprobiert, ist überrascht, wie exakt die Darsteller Mimik, Gestik und Tonlage treffen. Man fühlt sich nach wenigen Minuten so, als säßen die beschriebenen Kollegen oder Vorgesetzten tatsächlich mit im Seminar.

Improvisationstalent, Menschenkenntnis und fundierte psychologische Kenntnisse helfen den Schauspielern.

Kostüme brauchen die Darsteller nicht. “Die Optik spielt keine Rolle, wenn sich der Schauspieler genauso verhält wie die wirkliche Person”, sagt Hellwig.

Für viele Schauspieler ist die Arbeit eine interessante Herausforderung. Denn anders als in Filmen oder am Theater geht es um reale Personen und nicht fiktive Charaktere.

Außerdem unterstützen die Schauspieler den Coach. Sie beobachten das Verhalten der Teilnehmer und analysieren es. Viele Übungen geben dem Teilnehmer Feedback zu seinen Verhaltensmustern. Dafür schlüpfen die Schauspieler auch schon mal in die Rolle des Teilnehmers und spiegeln ihn. Nicht selten kommen dabei für den Betroffenen überraschende Selbsterkenntnisse zum Vorschein. Das können Kleinigkeiten in der Körpersprache sein – beispielsweise wildes Gestikulieren, gekrümmte, unsichere Haltung – aber es können auch starke Emotionen sein, die ein tieferliegendes Problem offenbaren. Für solche Übungen sind viel Sensibilität und eine kompetente Führung durch den Coach nötig.

Für manche kann es belastend sein, das eigene Verhalten gespiegelt zu bekommen. Dann ist es wichtig, mit einem positiven Lösungsansatz dem Teilnehmer neue Verhaltensweisen an die Hand zu geben. Er soll schließlich mit neuem Mut Konflikte oder Probleme besser lösen können und nicht demotiviert werden. Das ist auch für die Schauspieler eine große Verantwortung.

Der Job ist noch kein anerkanntes Berufsbild. Eine Ausbildung ist nicht vorgeschrieben. Viele freiberufliche Schauspieler bieten Trainern ihre Dienste an. Oft haben diese auch schon selbst eine Coaching-Ausbildung gemacht. Eine Ausbildung speziell zum Seminarschauspieler bieten nur wenige Einrichtungen wie beispielsweise das Institut Synergie an. Dort ist eine abgeschlossene Schauspielausbildung Voraussetzung. Quereinsteiger haben keine Chance.

Wie im Schauspielberuf auch ist für die Arbeit Improvisationstalent gefragt. Man sollte beobachten und erklären können, spontan sein und eine schnelle Auffassungsgabe und Einfühlungsvermögen mitbringen. Auch ein sensibler Umgang mit Menschen ist wichtig. “Mit einem schüchternen Klienten ist anders umzugehen als mit jemandem, der vor Selbstvertrauen nur so strotzt”, sagt Hellwig.

Die Auftragslage variiert

Die meisten Seminarschauspieler arbeiten als Freiberufler. Die Auftragslage variiert. Der Arbeitsort hängt auch vom Seminarkonzept des Coaches ab. Viele bieten ihre Weiterbildungen deutschlandweit in Tagungshotels an. Andere haben eigene Institute und Seminarräume. Häufiges Reisen und viele Einsätze am Wochenende gehören zum Joballtag. Das muss man mögen. Und es ist schwierig, Familie, regelmäßige Hobbys und Privatleben mit diesem Job unter einen Hut zu bringen.

Wem das nichts ausmacht, der entdeckt an dieser Tätigkeit vor allem positive Seiten. Es ist eine intensive Arbeit mit Menschen, die dazulernen und sich weiterentwickeln möchten. Der lösungsorientierte Ansatz im Coaching führt zu positiven Lösungen. Hellwig hält den Job für einen der besten: “Man hat eigentlich immer sehr viel Spaß, die Atmosphäre ist locker, es wird sehr viel gelacht. Und das positive Feedback nach einem Seminar tut einfach gut.”

Quelle Text: © ZEIT ONLINE / Markus Schleufe, http://www.zeit.de/karriere/beruf/2013-02/beruf-seminarschauspieler, 12.02.2013

Institut Synergie GmbH

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