Thema: eigene biographischen Anteile.
Ziel: Bewusstwerdung der eigenen biographischen Anteile und ihren Einfluss auf die eigene Führung.

Seien Sie sich ihrer eigenen biographischen Anteile bewusst und ihren Einfluss auf Ihre Führung.

Situation:
Johanna ist eine selbstbewusste, fast “taffe” Führungskraft. Im Training müssen ihre Kolleginnen auch mal “einen einstecken”. Ihre Art ist teilweise bewertend. Auch wenn ich als Coach den Eindruck habe, dass sie so nicht vorsätzlich verletzend kommuniziert. Johanna stellt folgende Situation vor: Der älteren Mitarbeiterin Klara soll mitgeteilt werden, dass sie das Team wechseln soll und nicht – wie von ihr gewünscht und gehofft – die Führung über das selbige übernimmt. Johanna befürchtet, dass die Mitarbeiterin die Botschaft als Degradierung empfinden wird.

Ich bin gespannt, wie diese taffe, selbstbewusste Johanna diese Botschaft im Rollenspiel kommuniziert und befürchte, sie wird sehr direkt sein.

Johanna sitzt Klara (gespielt von der Seminarschauspielerin Eva als Verhaltensexpertin) gegenüber. Johanna wird sehr unklar. Sehr vorsichtig. Klara versteht die Botschaft nicht und kann mit dem plötzlichen vorsichtigen Verhalten von Johanna nicht umgehen. Auch ich kenne sie in ihrem Verhalten kaum wieder und stoppe schon bald das Gespräch.

Das Bild dazu:
Johanna und Klara sitzen in dieser Weiterbildung gemeinsam am Tisch. Zwischen ihnen steht eine Nebelwand. Sie wollen gemeinsam speisen. Dadurch, dass die Nebelwand auch den Blick auf das Essen versperrt, geht Johanna besonders vorsichtig mit Messer und Gabel um. Sie traut sich kaum “zu piksen”. Nur um Klara nicht zu verletzen.

Die Lösung auf dem Weg zu Führungsklaar
Ich konfrontiere Johanna in der Trainingsmaßnahme mit ihrer plötzlichen Veränderung und damit, dass ich das Gefühl bekam, als würde sie plötzlich hinter der Nebelwand verschwinden. Und ich frage sie danach, was diese Situation mit ihrer Biographie zu tun hat. Ich erzähle ihr, dass der Eindruck entsteht, als hätte sie diese Situation nicht zum ersten Mal erlebt. Johanna denkt nach, aber “findet die Situation nicht”. Konfus geht sie in den Teilnehmerkreis zurück.

Am nächsten Morgen kommt Johanna schon früh in den Trainingsraum. Sie wirkt gelöst und befreit. Sie erzählt, sie hat lange über meine Frage nachgedacht, was die Situation mit ihrer Biographie zu tun hat. Und sie hat die Antwort gefunden: Als Johanna sehr klein war (sie schätzt ca. 6 Jahre), wurde ihrem Vater gesagt, dass er bei der Personalauswahl nicht die gewünschte Beförderung bekam und sein Team wechseln sollte. Diese Nicht-Beförderung hatte ihren Vater sehr getroffen und großen Einfluss auf ihn, seine Familie und sein Berufsleben. Seitdem sei er in Johanna’s Erinnerung “nur noch traurig gewesen”. Jetzt, gut 30 Jahre weiter, ist Johanna nicht mehr das Opfer dieser Geschichte. Sondern droht jetzt, Täterin zu werden.

Gemeinsam mit Johanna arbeitete ich bei der Wissensvermittlung im Einzelcoaching daran, wie sie ihre eigenen biographischen Anteile wertschätzen kann. Und wie sie als reife, erwachsene Frau von heute wertschätzend und klar die Botschaft überbringen kann.

Wenn Sie bei sich oder anderen Menschen ein Verhalten wahrnehmen, in dem Sie das Gefühl haben, dass überproportional viele Emotionen im Spiel sind, hinterfragen Sie, ob Sie diese Situation schon früher in einem anderen Kontext erlebt haben. Da wir in der Biographie sowohl die Opferposition als auch die Täterposition verinnerlichen, suchen Sie auch nach der “Gegenposition”.

Kennen Sie solche Situationen aus dem Führungsalltag? Wie haben Sie sie geklärt? Schreiben Sie uns und teilen Ihre Tipps, Erfahrungen und Konzept mit anderen Teilnehmerinnen aus diesem Blog.

Institut Synergie GmbH

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